Oomph!: Warum diese düstere Band fast aus dem Fernsehen flog

Erinnerst du dich noch an das Jahr 2004? Damals saßen wir alle vor unseren Röhrenfernsehern, schalteten durch die Musiksender und plötzlich änderte sich alles. Ein Song flimmerte über den Bildschirm, der so gar nicht in das übliche Programm zwischen Schlager-Hits und Pop-Balladen passen wollte. Die Band Oomph! brachte mit ihrem Song Augen auf einen Sound in unsere Wohnzimmer, der uns alle schockierte und gleichzeitig faszinierte. Es war düster, es war laut und es war vor allem eines: verdammt unheimlich. Viele von uns, die mit den bunten Shows der achtziger Jahre groß geworden sind, trauten ihren Augen kaum.

Die Geschichte hinter diesem Hit ist heute schon fast eine Legende. Oomph! aus Wolfsburg waren damals längst keine Anfänger mehr, doch mit diesem einen Lied schafften sie den Sprung in den Mainstream. Das Musikvideo war so verstörend, dass die Fernsehanstalten ihre Probleme bekamen. Die Horror-Atmosphäre war vielen Programmverantwortlichen schlicht zu viel für das Tagesprogramm. Die Folge war eine radikale Kürzung des Clips. Man durfte das Original nur zu später Stunde sehen. Das verlieh dem Ganzen natürlich einen besonderen Reiz. Wer verbietet schon gerne Musik, wenn er nicht genau weiß, was dahintersteckt?

Wir, die wir früher gespannt auf die ZDF-Hitparade gewartet haben oder bei den ersten Beats im Radio leiser drehen mussten, wenn die Eltern reinkamen, fühlten uns plötzlich an die gute alte Bravo-Zeit erinnert. Nur war es diesmal keine harmlose Boygroup. Es war harter Deutschrock mit elektronischen Elementen, der unter die Haut ging. Oomph! waren Pioniere, auch wenn sie damals für viele von uns noch wie Außerirdische wirkten. Sie haben den Weg geebnet für eine Welle, die heute als Neue Deutsche Härte bekannt ist. Damals wussten wir nicht, dass wir gerade ein Stück Musikgeschichte im Fernsehen sahen.

Der Kontrast zur Ära eines Dieter Thomas Heck oder zu den glatten Produktionen aus den Siebzigern hätte kaum größer sein können. Während wir früher bei Marianne Rosenberg oder Udo Jürgens mitgesungen haben, standen wir 2004 plötzlich vor einer Wand aus verzerrten Gitarren und provokanten Texten. Oomph! haben es geschafft, die Grenze zwischen Show und Schock perfekt zu verwischen. Das war genau das, was die deutsche Musiklandschaft brauchte, um aus dem Trott der immer gleichen Formate auszubrechen. Die Band blieb sich treu, auch wenn der Erfolg sie an Orte brachte, von denen sie anfangs nur träumen konnten.

Wenn ich heute den Song im Radio höre, fühle ich mich sofort in diese Zeit zurückversetzt. Ich sehe die alten Röhrenfernseher vor mir, rieche die Vorfreude auf eine neue Ära und erinnere mich an den Ärger, den das Video damals bei vielen auslöste. Es ist das Schicksal der großen Bands, dass sie nicht jedem gefallen wollen. Oomph! sind heute ein Teil unserer Erinnerungskultur geworden, genau wie die Schlager unserer Jugend. Hast du dich damals auch so sehr über den Clip erschreckt, oder warst du sofort begeistert von diesem neuen, dunklen Sound?

Leave a Comment