
Erinnerst du dich an das Jahr 1993? Damals gab es im Musikfernsehen nur ein Thema: eine Kollaboration, die eigentlich unmöglich schien. Auf der einen Seite standen die Jungs von Extrabreit, die wilden Helden der Neuen Deutschen Welle. Auf der anderen Seite stand eine Ikone, die man eher im eleganten Abendkleid als im rauchigen Rock-Studio vermutete: Hildegard Knef. Als beide den Song Für mich soll’s rote Rosen regnen neu interpretierten, traute ganz Deutschland seinen Ohren kaum. Es war ein Schock für die Fans, ein Skandal für die Presse und ein mutiger Schritt in eine neue Ära.
Die Geschichte von Extrabreit beginnt eigentlich tief im Ruhrgebiet. In Hagen haben sie den deutschen Punk und die Neue Deutsche Welle geprägt wie kaum eine andere Band. Mit Songs wie Hurra, hurra, die Schule brennt oder Polizisten wurden sie zu den Stars jeder Party und jedes Tanzlokals. Sie waren laut, sie waren direkt und sie passten perfekt in das Lebensgefühl der achtziger Jahre. Doch Anfang der neunziger Jahre war der Wind gedreht. Viele Bands der Neuen Deutschen Welle verschwanden von der Bildfläche. Extrabreit aber blieb hartnäckig.
Die Idee, ausgerechnet die große Chanson-Diva Hildegard Knef mit ins Boot zu holen, wirkte zunächst wie eine Schnapsidee. Die Knef war eine Legende, eine Frau mit Weltklasse, die ihre eigenen Kämpfe gegen den Ruhm und die Schatten der Branche kannte. Als sie gemeinsam vor dem Mikrofon standen, trafen zwei völlig verschiedene Welten aufeinander. Die raue, fast rotzige Art von Extrabreit verschmolz mit der melancholischen, tiefen Stimme der Knef. Es war kein klassischer Schlager, es war ein Statement. Das Publikum war gespalten. Die einen schrien Verrat, die anderen feierten den Mut zum Bruch mit der Tradition.
Man muss sich das in den Neunzigern vorstellen: Die Mauer war gefallen, die Welt war im Umbruch. Die Musikszene in Deutschland suchte nach einer neuen Identität. Dass eine Rockband sich so eng mit einer Diva wie Hildegard Knef verband, war für viele damals fast schon ein Sakrileg. Doch genau das war der Punkt. Die Show funktionierte, weil sie ehrlich war. Hinter den Kulissen flossen Tränen, gab es heftige Diskussionen und das übliche Drama, das dazu gehört, wenn Künstler verschiedener Generationen aufeinanderprallen. Die Chemie stimmte, auch wenn die Welt anfangs daran zweifelte.
Noch heute, wenn man diesen Song hört, spürt man das Knistern dieser Zeit. Die Schallplatte dreht sich, und man denkt zurück an die Nächte in der Disco oder an die Stunden vor dem Fernseher, wenn Dieter Thomas Heck durch die ZDF-Hitparade führte. Extrabreit haben mit diesem Experiment bewiesen, dass man sich als Band neu erfinden muss, um zu überleben. Sie haben das Risiko gesucht und gefunden. Hast du damals auch vor dem Radio gesessen und dich über diesen ungewöhnlichen Song gewundert, oder hast du ihn sofort in dein Herz geschlossen? Erzähl es uns, denn diese Musik ist ein Stück deines Lebens.