
Erinnerst du dich an das Jahr 1971? Das Fernsehen war damals noch überschaubar, und die ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck bestimmte, was am nächsten Tag in der Schule oder am Arbeitsplatz diskutiert wurde. Doch während sich die Nation an den eingängigen Melodien von Roy Black oder Udo Jürgens erfreute, brodelte in einer alten Kölner Lagerstätte etwas völlig Neues. Die Band Can war gerade dabei, die Regeln der Musik komplett auf den Kopf zu stellen. Wenn du damals das Radio eingeschaltet hast und plötzlich von diesen hypnotischen, fast schon fremdartigen Rhythmen überrollt wurdest, dann weißt du genau, welches Gefühl ich meine.
Can war keine gewöhnliche Band. Sie passten nicht in das Schema von Bravo-Stars oder glattpolierten Show-Größen. Sie waren Avantgarde, sie waren Krautrock, und sie waren für viele Radioredakteure jener Zeit schlichtweg ein Schock. Der Sound von Can wirkte wie von einem anderen Stern. Er war düster, experimentell und absolut kompromisslos. Während andere Künstler in der Wirtschaftswunder-Zeit auf Sicherheit setzten, brachen Can mit allen Konventionen. Sie nutzten Schneidegeräte und Tonbandmaschinen wie Instrumente. Das war purer Pioniergeist, der aus dem Herzen von Nordrhein-Westfalen direkt in die Gehörgänge der Nation drang.
Man muss sich das einmal vorstellen: In einer Ära, in der deutsche Schlager den Takt vorgaben, trauten sich Can, alles anders zu machen. Die Mitglieder der Band waren hochgebildet, aber sie ließen ihre akademische Herkunft hinter sich, um mit Damo Suzuki eine ganz neue Energie zu entfesseln. Ihr Songwriting war improvisiert, roh und elektrisierend. Es gab keinen Platz für die üblichen Refrains, die man im Bierzelt mitsingen konnte. Stattdessen gab es Klanglandschaften, die dich in einen Trancezustand versetzten. Viele Hörer waren damals irritiert, manche sogar entsetzt, doch der Einfluss dieser Musik auf die spätere Popgeschichte ist bis heute unbestreitbar.
Die Geschichte von Can ist auch eine Geschichte über den Mut zur Eigenheit. Sie lebten in einer WG in Weilerswist bei Köln, fernab vom glänzenden Scheinwerferlicht der großen Fernsehstudios. Dort, zwischen Stapeln von Tonbändern und Kabeln, entstand ein Sound, der die Welt beeinflussen sollte. Bands wie die Red Hot Chili Peppers oder Radiohead haben später offen zugegeben, wie sehr sie von diesem visionären Schaffen aus Deutschland inspiriert wurden. Wer damals aufmerksam zuhörte, der spürte sofort, dass hier Musikgeschichte geschrieben wurde. Es war eine Abkehr von der Gemütlichkeit hin zu einer rauen, ehrlichen künstlerischen Ausdrucksform.
Wenn du heute eine alte Schallplatte von Can auf deinen Plattenspieler legst, spürst du diese Energie noch immer. Es ist eine Zeitreise in eine Ära, in der Musik noch das Risiko suchte und nicht den schnellen Hit. Es bleibt eine faszinierende Erinnerung an eine Band, die sich weigerte, sich anzupassen. Hast du damals auch beim Radio gestaunt, wenn plötzlich so ein experimenteller Song aus Köln aus den Lautsprechern dröhnte? Erzähl uns von deinen Erinnerungen an diese wilde Zeit des Krautrock.