Can und der hypnotische Beat: Als 1971 Deutschland den Atem anhielt

Dezember 1971. Draußen peitscht der kalte Winterregen gegen die Fensterscheiben in Köln, drinnen flackert das Licht des Röhrenfernsehers. Es ist der Abend, an dem ein deutscher Fernsehkrimi die Nation vor den Schirmen versammelt hat. Doch als der Abspann lief, geschah etwas Unerwartetes. Ein Beat, so hypnotisch, so fremd und doch zutiefst berauschend, legte sich wie ein Schleier über die Wohnzimmer der Republik. Es war Can, die Avantgarde-Truppe aus dem Kölner Schloss Nörvenich, die mit ihrem Krautrock plötzlich den Zeitgeist traf. Erinnerst du dich noch an dieses Gefühl? Es war der Moment, in dem die Musikwelt zwischen Schlagerparade und Beat-Club ihre Unschuld verlor.

Can war niemals eine Band für die breite Masse der ZDF-Hitparade. Während Udo Jürgens oder Roy Black ihre Lieder über Liebe und griechischen Wein sangen, experimentierten Holger Czukay, Jaki Liebezeit, Irmin Schmidt und Michael Karoli in ihrem Studio, einem umgebauten Kino, mit Tonbändern und rhythmischen Exzessen. Ihre Musik war nicht dazu gedacht, im Bierzelt mitzusingen. Sie war ein Experiment. Wenn der legendäre Beat von Can einsetzte, fühlte es sich an wie eine Reise auf der noch leeren Autobahn mitten in der Nacht. Es war Krautrock in seiner pursten, ungeschliffenen Form, eine Antwort auf die erstarrten Strukturen der damaligen Zeit.

Die Geschichte von Can ist auch eine Geschichte über den exzessiven Mut zum Neuen. Während die Jugend in Westdeutschland Bravo las und von der großen Welt träumte, bauten diese Musiker ihr eigenes Universum aus Feedback und Loops. Doch hinter der Fassade des Erfolgs brannte die Luft. Es gab Reibereien, menschliche Abgründe und den ständigen Druck, die Grenzen der Harmonielehre zu sprengen. Can war keine Band, die nach den Regeln der Musikindustrie funktionierte. Sie waren Pioniere, die in einer Zeit des Wirtschaftswunders den Mut hatten, den Ton anzugeben, den niemand zuvor gehört hatte. Wer damals eine Schallplatte von Can auflegte, der gehörte zu den Eingeweihten.

Es ist heute fast unvorstellbar, wie diese experimentellen Klänge damals in das konservative Westdeutschland einschlugen. Die Kritik war oft ratlos, doch die Wirkung war gewaltig. Die hypnotische Repetition von Jaki Liebezeits Schlagzeugspiel wurde zum Markenzeichen von Can und beeinflusste Generationen von Musikern weit über die Landesgrenzen hinaus. Von Berlin bis München, in den dunklen Kellern der Studentenclubs, wurde Can zum Synonym für eine Rebellion, die ohne Worte auskam. Es war die Ära, in der wir noch echte Vinyl-Schätze hüteten und die Nadel vorsichtig auf die Rille legten, um kein Knistern zu riskieren.

Wenn ich heute den alten Sound von Can höre, schwingt sofort die Melancholie vergangener Jahrzehnte mit. Es ist nicht nur Musik, es ist ein Stück Heimat, ein Stück deutscher Kulturgeschichte, die sich fernab des Mainstreams manifestierte. Hast du auch noch irgendwo diese alten Aufnahmen im Regal stehen? Manchmal lohnt es sich, den Staub der Jahre wegzupusten und sich noch einmal in diesen hypnotischen Rhythmus fallen zu lassen. Es ist Zeit, die alten Erinnerungen wieder aufleben zu lassen, findest du nicht auch?

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